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DATA:
08 Luglio 1994
TITOLO:
Die Gitarre durfte nur
einmal kurz jaulen
"Italian
Night" in der Waldbühne: zuwenig Publikum für Eros Ramazotti
TESTATA:
Berliner Zeitung
AUTORE:
Stefan Westerlund
Stell
Dir vor, drei Superstars geben ein Konzert und kaum einer geht hin. So
geschehen am Mittwoch in Berlin. Bei der "Italian Night"
traten Eros Ramazotti, Luca Carboni und Jovanotti gemeinsam an die
Rampe. Jeder der drei füllt in Italien Stadien. In Berlin war die Waldbühne
mit 7 000 Zuschauern nur zu knapp einem Drittel gefüllt.
Woran
lag es? Die Musik war gut, das Wetter noch besser. Aber viele der meist
jugendlichen Fans müssen angesichts steigender Eintrittspreise (diesmal
knapp 70 Mark) passen. Nicht nur in Berlin. In ganz Deutschland werden
Konzerte in kleinere Hallen verlegt (ZZ Top) oder abgesagt (Jean-Michel
Jarre). Die hohen Preise sind zum Bumerang für die Veranstalter
geworden.
Zurück
zur Waldbühne. Begleitet von einer exzellenten, groovenden Band nutzte
Rap-Star Jovanotti seinen angeborenen Vorteil voll aus: Rap auf
Italienisch klingt erotischer, jazziger als harter US-Slang. Ein Sänger
mit Charisma: Jovanotti hüpfte über die Bühne, sprang in die Massen
und imitierte die altbekannten "Say Ho"-Spielchen mit den Fans
- die begeistert mitmachten. Ein Sänger, dem die Worte wichtig sind. Im
Gegensatz zu seinen Kollegen Carboni und Ramazotti erklärte Jovanotti
jeden seiner Songs auf Deutsch.
Auf
Platte klingt die kehlige Stimme von Luca Carboni brillant. Carboni erzählt
bitter-süße Liebesgeschichten, die leider auf der Bühne kraftlos
verpuffen. Vielleicht lag es an der seelenlosen Band. Erst zum Schluß
konnte Carboni losrocken: "Ci voule un fisico bestiale" hatte
das Temperament, das man Italienern allgemein zuschreibt.
Das
Kreischen von Hunderten Teenies kündigte den Star der Nacht an: Eros
Ramazotti, der Sänger, der kein Teeniestar mehr sein will. Nicht
umsonst hat Ramazotti sein letztes Album "Tutte storie" mit
Eric-Clapton-Musikern eingespielt. Es ist zu hören: Ramazotti hat ein
Feeling für Blues. Aber die Fans fordern noch hartnäckig die alten
Hits. Dem Gitarristen seiner Band wird so nur ein kurzes Aufjaulen der
Saiten gestattet, dann schaltet Eros wieder auf Schlafzimmerblick um.
Zwei Stunden Schmuse-Balladen, Jubel für "Adessu Tu" oder
"Se bastasse". |